Full text: St. Ingberter Anzeiger

enige der Wagenräder, sodaß infolgedessen ein 
Zug, der an diese Stelle kam, nicht mehr auf den 
Schienen laufen konnte. In Wirklichkeit kam auch 
bald der Güterzug Nr. 840 von Zweibrücken; 
indem vorher durch Signal an dem eliktrischen 
käutewerk die Anlunft desselben angemeldet war, 
erkundigte sich der Bahnhofverwalter Zapp bei dem 
Mitangeklagten Weichenwärter Linn, ob das Zug⸗ 
geleise frei se und der Ankunft des schon abge⸗ 
rahrenen Zuges kein Hinderniß im Wege stehe und 
ließ, nachdem Linn das Geleise für fahrbar er⸗ 
lärt batte, den Semaphor ziehen. Der genannte 
Büterzug, welcher auf der Station Einoͤd nicht 
anhält, fuhr infolgedessen ein, kam aber, als er 
iüber die Stelle der vorgeschobenen Weiche fuhr, 
zur Entgleisung, welche die s. Z. geschilderten 
Folgen hatte. Der Gesammtschaden an der Ma⸗ 
schine, dem Tender und 10 beschädigten Wagen, 
ohne Einrechnung fonstiger Beschädigungen, belief 
sich auf beinahe 11000 Mk. Einige Bahnbe— 
dienstete warden bei dem Unfall leicht verletzt. Das 
Bericht erklärte Lippold des ihm zur Last helegten 
VBergehens der Gefährdung eines Eisenbahntrans⸗ 
ports für überführt und verurtheilte denselben zu 
3 Tagen Gefängniß, sprach dagegen den Mitange⸗ 
lagten Linn als nicht überführt frei und legte 
ersterem 2s der Kosten zur Last. 
— Der diesjährige Hauptpferdemarkt 
zu Quirnbach findet Mittwoch, den 20. Novem⸗ 
ner c. statt. 
— Dir J. Pferde und Fohlenmarkt in 
staiserslautern, wird Dienstag, den 15. Okto— 
ber 1889, auf dem Morplatze obgehalten, Beginn 
7 Uhr Vormittags, Schluß 12 Uhr Mittags. Die 
Ausmusterung zur Prämiirung beginnt um 9 Uhr 
und find 20 Preise ausgesetzt. Die Verloosung 
don 6 Pferden, 10 Fohlen findet Nachmittags 4 
Uhr statt. 
— Landau, 10. Okt. Die am Freitag 
den 23. August zu einer ersten (zehnwöchentlichen) 
lebung eingerückten Ersatzreservisten und 
Volktsschullehrer, desgleichen die an einem 
päteren Tag zu einer zweiten (sechswöchentlichen 
Uebung eingerückten Ersatzreserbiften und Volks— 
cchullehrer werden am Mittwoch den 30. Oktober 
vieder in ihre Heimat entlassen. 
— Mörzheim. In letzter Woche ehelichte 
zier ein 70jähriger Greis seine 36jährige Braut. 
— Niederlustadt, 9. Okt. Heute wurde 
dahier der erste Tabak verkauft zum Preise von 
32 Mk. per Zentner. Es werden zirka 100 
Zentner das verkaufte Ouantum sein. Kaufer ist 
herr Simon aus Mannheim. — Der Zwiebel⸗ 
dau ist heuer sehr lohnerd. Dieselben kosten heute 
schon 5 Mark per Zentner, und man glaubt, daß 
der Preis noch in die Höhe geht. 
— Speyer, 9. Okt. Unter außerordentlich 
zahlreicher Betheiligung aus allen Theilen der Pfalz 
jand heute das Jahresfestder Evangelischen 
Ddiakbonnissen-Anstalt zu Speyer fiatt. Wohl 
nahezu sämmtliche Schwestern auf den Stationen 
varen zu der Feier gekommen. Der Festgottesdienst 
begann Rechmittags 3 Uhr in der Dreifaltigkeits 
tirche. Aus dem Jahresbericht ist ersichilich, daß 
die Anstalt mit 118 Schwestern besetzt ist. Wohl 
var der Zugang im letzten Jahr ein ansehnlicher 
jedoch ist auch ein Abgang durch Tod ꝛc. vorhanden, 
welcher obigen Stand ergiebt. Auch ein treues 
Mitglied des Ausschusses hat die Ansialt durch den 
Tod des Herrn Pfarrers Stempel in Mutterstadt 
zu beklagen. Im letzten Jahr wurden zwei Siati⸗ 
ynen, die Kammgarnspinnerei Kaiserslautern und 
das Spital in Wachenheim, errichtet und mit je 
wei Schwestern besetzt. Das Erholungshaus 
„Louisenruhe“ in Bergzabern wurde am 1. Mugust 
nöffnet. Auf sämmtlichen Stationen sind 87 
Schwestern fest stationirt. An Unterstütungen wurden 
von den Schwestern 7294 Mk. 35 Pf. vertheilt. 
An 21 Orten außerhalb den Stationen wurden 
32 Kranke, im Mutterhaus dahier 131 Kranke 
darunter 84 Kinder) verpflegt. An Liebesgaben 
erhielt die Anstalt 10,257 Mk.. darunter ist die 
ährliche Kollekte mit 4875 Mt. 77 Pf. ein Ver— 
mächtniß aus Landau mit 100 Mk., von Herrn 
hilgard aus New-⸗York 2000 Mk. und eine Liebes⸗ 
jabe von einer durchaus ungenannt sein wollenden 
Bauernjungfrau zur Stiftung eines Freiplatzes im 
Betrag von 8000 Mk. einbegriffen. Die Gesammt⸗ 
innahmen der Anstalt betrugen 76331 Mk., die 
Ausgaben 76,880 Mtk., so daß die Rechnung mit 
einer Mehrausgabe von 749 Me. 48 Pf. abschließt. 
Der Verwögensstand der Anstalt heträt 41.1117 
Mk., die Schulden 42,640 Mk., mithin eine Ueker⸗ 
chuldung von 1532 Ml. (K.) 
— Speyer, 10. Okt. Die Beiseßung 
)er Leiche des Herrn Brauereidirektors Sick, 
b. Adjunkten und Stadtrats, fand unter außer. 
yrdentlicher Beteiligung der Bevölkerung bis zu 
den höchsten Spitzen der hiesigen Behörden stait. 
—A 
Eisenbahndirektor v. Lavale, zahlreiche Ver— 
reter der Regierungsbeamten, des Konsistoriums 
und des Domkapitels, der Stadtrat und alle städt⸗ 
ischen Beamten in corpore, die ganze Geschäfts⸗ 
velt, mehrere Vereine, darunter die Brauer und 
düfer mit ihren Gewerbsabzeichen, und das ge⸗ 
ammte Personal der Storchenbrauerei fanden sich 
m Leichenzuge. Doazu hatten sich, laut „Zw. 
3.“, zahlreiche Auswärtige aus der Pfalz, dem 
tdeichslande und Baden eingefunden. Die Leichen⸗ 
redigt hielt Herr Pfarrer Ferckel, der anfangs 
Rtober von St. Ingbert hierher übersiedelte. 
— Speyer. Der Tod des 1. Adjunkten 
Sick bedeutet einen schweren Verlust für unsere 
Stadt und ihre Industrie. Lange Zeit war Speyer 
ast jeglichem industriellen Unternehmen verschlossen. 
In erster Linie war es die Bierbrauerei, welche 
in Bresche in das alte unsere Stadt schwerschädigende 
Vorurtheil schlug. Herr Sick hat sich als erster 
Vorkampfer neben Weltz ein nicht hoch genug zu 
chätzendes Verdienst erworben. Doch galt gleicher⸗ 
naßen sein Interesse den übrigen industriellen Unter⸗ 
iehmungen und ließ ihn besonders warm mit Rath 
ind That für die Gründung der noch im Bau 
zegriffenen neuen Baumwollspinnerei eintreten. Die 
Zrauerei „zum Storchen“ verliert in ihm ihren 
rfahrenen und umsichtigen Direktor, die Stadt 
inen oͤff ntlichen Wohlthäter von großem Verdienste. 
— Die sogenannte Anstellungsprüfung 
»er pfälzischen Schuldienstexspektanten 
findet vom Montag den 14. ds. Mis. ab in 
5peyer statt. Es werden zwischen 120 und 130 
dandidaten theilnehmen. Die schriftliche Prüfung 
auert vier Tage, die mündliche an zwei Wochen. 
— Neustadt, 9. Okt. Herr Theodor Kröckel 
uind seine Gattin deponierten zu dem Zwecke einer 
vohlthätigen Stiftung ein Kapital von 10000 
Mark, dessen Zinsen unter gewissen Bedingungen 
»azu bestimmt sind, einer würdigen Person, wess' 
ßeschlechtes oder Glautens sie auch sei, Aufnahme 
m hiefigen Krankenhaus „Hetzelstift“ zu gewähren. 
Die Stiftung soll den Namen Knöckel⸗Engel⸗ 
nann⸗Stiftung“ tragen. (3tg.) 
— Mutterstadt. Durch Vermittelunh eines 
Beschäftsmannes wurde das hiesige Gasthaus 
um Ochsen (Inhaber Herr Gutsbesitzer Konrad 
Nerz von hier) auf mehrere Jahre an die Brau⸗ 
ausgesellschaft Frankenthal um die jährliche Miete 
»on 1600 Mk. verpachtet. Seither hatte es Bier⸗ 
hrauereibesitzer zum Feldschlößchen in Oggersheim, 
hderr Treiber, um jährlich 1400 Mark gemietet. 
Die Uebernahme des Gasthauses von obiger Gesell⸗ 
chaft erfolgt am 15. Dezember d. J. Der bisherige 
Zäpfler, Herr Michael Schott, wird die Wirischaft 
deiterführen. 
— In der Gemeinde Altrip ist die Maul—⸗ 
ind Klauenseuche ausgebrochen. 
— Das Stipendium von 360 Mk. aus 
Nitteln der protest. Kirchenschaffnei Obermoschel 
»ro 1889 90 wurde dem Studirenden der Theo— 
oqie Karl Alexander aus Winnweiler verliehen. 
— Nach der Uebersicht der Rechnungsergebn'sse 
ind des Vermögensslands der Pensionskasse 
ür pfälzische Kreisbedienstete und deren 
steliktten für das Jahr 1888 betrugen die Ein— 
iahmen 11,247 Mk. 93 Pf. die Ausgaben 11,845 
Dek. 86 Pf. demnach Rechnungsüberschuß von 2 
Mt. 7 Pf. Der Aktivermögensstand betrug Ende 
1887 33 486 Mt. 88 Pf. Ende 1888 37,402 
Nk. 7 Pf. demnach Mehrung pro 1888 von 3913 
— — 
Dermischtes. 
fFalb's Kalender derkritischen Tage. 
Kudolf Falb hat für das kommende Jahr bereits 
ꝛinen Kalender der kritischen Tage erscheinen lassen, 
vorin nebst einer Witterungsgeschichte der letzten 
Zeit und den Zeitungsstimmen darüber ein Kalen—⸗ 
zarium mit den in Bezug auf Witterungserschein⸗ 
ingen, Erdbeben und Schlagwetter in Bergwerken 
jefahrdrohenden Tagen enthalten ist. Als solche 
ritische Tage find genannt: Tage erster Ordnung: 
28. September, 30. August, 19. Februar, 20. 
Närz, 20. Januar, 31. Juli, und 28. Oktober; 
Tage zweiter Ordnuna: 19. Ahril, 5. April. 4 
Mai, 3. Juni, 2. Juli, 13. Oktober, 12. Nodem 
ber. und 12. Dezember; Tage dritter Ordnun 
14. September 25. November, 18. Maunt. 
Februar, 15. August, 26. Dezember, 6. Jauuc, 
LI. Juni und 17. Juli. Die Reihenfoige in 
velcher hier die kritischen Tage jeder eirselne 
Ordnung angeführt sind, ist die der abnehmenden 
Stärke, so daß z. B. der 28. September der stärkste 
uind der 28. Oktober der schwächste kritische Ta 
der ersten Ordnung ist. J — 
Fæ Wellesweiler, 10. Okt. In der Saarb 
Ztgwar von Wiebelstirchen aus heschrieben dag 
im Dorst'schen Saale eine Versommlung der ge. 
mäßigten Bergleute stattfindet. Dies⸗ Ver⸗ 
'ammlung findet in Wellesweiler bei Wirt 
Jakab Dorst statt. 
r Der Konkurs der Kaffefirma Jo⸗ 
sannes Pohly in Mannheim ist auf der⸗ 
ehlte Spekulationen im Kaffee-Terminhandel zu⸗ 
rückzuführen. Pohly schuldet an vier Habrer Fir⸗ 
nen Poften von 29,644, 37,945, 46.845 und 
50,080 Mk., ferner an fünf Hamburger Beitrage 
on 17,688, 19,042, 21,799, 28,767 um 
51,630 Mk., endlich an ein New⸗Norker Haus, 
sessen Frankfurter Vertretung durch Rundschreiben 
um Börsenspiele mit Kaffee einladet, 58,000 Mt. 
Man sieht hieraus, woher der Fehlbetrag dieser 
Firma stammt, welche außerdem in London, Am— 
terdam, Rotterdam, Antwerpen, Bremen, Kassel, 
Zalle a. S., Mainz u. s. w. Gläubiger mit nam— 
jafien Beträgen besitzt. Auch Frankenthal ist stärker 
heteiligt, die dortige Zuckerfadrik mit 55,215 Mte. 
Fin einziges Mannheimer Bankhaus hat eine un— 
gedeckte Forderung von 284 903 Mk. In der 
Masse liegen nur stark 7 pCt. der Forderungen 
von 1,631,880 Mk. 
fWiesbaden, 8. Okt. Schenkung. 
Die vor einigen Tagen gestorbene Wittwe J. 
Würth geb. Schmidt von hier hat ihr Vermögen 
in Höhe von 140 000 Mk. der Stadt Wiesbaden 
ermacht. 
fF An der Forstlehranstalt Aschaffen— 
»ur g sind für das Wintersemester 66 Eleven ein⸗ 
getreten. 
F Augsburg, 10. Okt. Die vereinigten 
Feingoldschlaägereibesitzer Bayerns be— 
chlossen dahier die Einführung der zehnstündigen 
Urbeitszeit, sowie eine Preiserhöhung um 3—4 pCt. 
Neubesurg a. D. Nur langsam voran. 
VBor einigen Tagen wurde eine Wette gewonnen, 
welche die Fahrgeschwindigkeit unserer Donauthal⸗ 
»ahn betraf. Es fuhren nämlich verschiedene 
Passagiere vom Ingolstädter Viehmarkt nach Hause 
ind unterhielten sich über die überaus langsame 
Bangart des Zuges; da verpflichtete sich einer da⸗ 
»on, in Rubrenfeld auszusteigen und zu Fuß nach 
euburg zu gehen, wo er vor dem Zug anzukommen 
vettete. Gesagt, gethan; er machte sich auf den 
Weg und kam mit einem Vorsprung von 150 
—„chritten in Neuburg an. 
München, 10.Okt. Erzbischof v. Steichele 
st heute Nacht in Freising gestor ben. 
F Auf Grund eines bei dem diesjährigeu Turn⸗ 
est in München gefaßten Beschlusses hat der Aus⸗ 
huß der deutschen Turnerschaft, wie das 
Leipz. Tgbl.“ meldet, an den Bundesrath 
»as Gesuch gerichtet: „Hochderselbe wolle beschließen, 
dei Aufsteliung des Reichshaushaltsplanes dem 
steichstag eine Vorlage über einen der deutschen 
Turnerschaft für Ausbreitung der Turnsache und 
errichtung deutscher Turnstätten zu bewilltgenden 
Ahrlichen Beitrag zu machen.“ Der Ausschuß be— 
zründet seine Bitte u. a. damit, daß die turnerische 
Lhätigkeit eine patriotische, dem Wohl und der 
AXOOä 
m Hinblick darauf, daß in unseren Nachbarländern, 
in der Schweiz, welche dem Schweizer Turnverein 
jährlich 8000 Franken Üüberweist, in Frankreich 
und Belgien besonders die dort beslehenden Turner⸗ 
bünde reiche staatliche Förderung finden, sowie auch 
darauf, daß das deutsche Reich für wissenschaftliche 
Zwecke, für die deutschen Fischereivereine ꝛc. nom⸗ 
zafte Unterstützungen gewährt. 
F Unglaubliche Rohheit. Schn öfters 
wvurden in München Nachts Steine in das Lager 
der Somali⸗Neger an der St. Paulsstraße geworfen 
ind dadurch einer der Neger erheblich am Kopfe 
erwundet. Diese „Wilden“ werden einen merk⸗ 
vürdigen Begriff von europäischer Civilisation be⸗ 
ommen! 
F Eine besondere Aufmerksamkeit wendet die 
reußische Bergherwaltuna den schlagenden