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P 115.
Donnerstag, den 21. Juli
1881.
Deutsches Neich.
Nach der Berechnung des „N. Korr.“ würde in den neuen
kandtag Oberbayern (ohne Miesbach, von wo der Ausfall noch
gcht bekannt) 27 Klerikal-Konservative schicken, Niederbayern 20
itio, die Pfalz 20 Liberale, die Oberpfalz 8 Liberale und 13
dlerital⸗Konservative, Oberfranken 15 Liberale und 8 Klerikal⸗
zonservative, Mittelfranken 19 Liberale, Unterfranken 6 Liberale
ind 13 Klerikal⸗Konservative, Schwaben 8 Liberale und 11 Klerikal—
donservative.
Nach der „allgemeinen Rangliste“ in dem neuen, nach dem
ztand vom 18. v. Mis. verfaßten „Militärhandbuch des König⸗
eichs Baiern 1881“ zählt Baiern an Officieren des Friedens-
andes: 1) einen General-Feldzeugmeister, 7 Generale, 16 Generals⸗
Reutenants, 28 Generalmajore; 2) die Officiere der Leibgarde der
zartschiere; 8) die Officiere des Generalstabes und topographischen
Jureaus desselben; 4) Infanterie: 22Obersten, 25 Oberst⸗
eutenants, 67 Majore, 272 Hauptleute, 262 Premierlieutenants,
85 Secondelieutenants; 5) Cavalerie: 2 Obersten, 12
Werstlieutenants, 18 Majore, 49 Rittmeister, 64 Premierlieute⸗
ants, 189 Secondelieutenants; 6) Awtiul'l e rie: 3. Feldar—
islerie: 5 Obersten, 12 Oberstlieutenants, 15 Majore, .49 Haupt⸗
eute, 44 Premierlieutenants, 108 Secondelieutenants; b. Fuß⸗
rillerie: 1Oberst, 4 Oberstlieutenants, 10 Majore, 26 Haupt⸗
eute, 26 Premierlieutenants, 42 Secondelieutenants: 7 Ingen—
urcorpzs.:: 2Obersten, 7/ Oberstlieutenants, 9 Majore, 27
»auptleute, 27 Premierlieutenants, 45 Secondelieutenants; 8)
Train: IDberst, 1 Oberstlieutenant, 2 Majore, 6 Rittmeister,
Premierlieutenants, 16 Seeondelieutenants; 9) Zeugoff i—
esre: 5 Hauptleute, 10 Premieurltieutenants, 10 Seconde—
ieutenants; 10) Feuerwerksofficiere: 2Hauptleute,
3 Premierlieutenants, 2 Secondelieutenants; 11) Gendarme—
iecorps: 2 Oberstlieutenants, 6 Maiore, 3 Hauptleute, 9
oͤremierlieutenants.
Zu der Vorlage, betreffend die Ausführungsbestimmungen zu
zem Gesetz über die Erhebung von Reichsstempelabgaben, wurde
uuf Anregung des bayerischen Bevollmächtigten seitens des Bun—
desraths ein Einverständniß darüber erzielt, daß die nach Tarif
set. 5 des Gesetzes von der Reichsstempelabgabe befreiten Ausspiel—
ingen und Loiterien zu wohlthätigen Zwecken der landesgesetzlichen
gebührenpflicht unterworfen bleiben. Der hamburgische Bevoll-
nächtigte sprach zu Nr. 11 des Tarifs die Voraussetzung aus, daß
die Stempelabgabe auch die sogenannten Schreibgelder in allen
Fällen trifft, wo dieselbe von den Spielenden erhoben wird, ohne
Kücksicht auf die Form, in welcher Letzteres geschieht.
Von reaktionärer Seite wird abermals auf dem Wege der
gittschrift bei dem Reichskanzler die Wiedereinführung der Schuld⸗
jaft betrieben, deren Aufhebung bekanntlich auch auf den Gutachten
er Ober⸗ und Untergerichte beruht. Niemand wird auch heute
ꝛehaupten können, daß der Kredit darunter gelitten habe. Viel—
nehr ist nur eine größere Vorsicht im Kreditgeben eingetreten.
Auf einen Erfolg werden die Bittsteller nicht zu rechnen haben;
janach streben sie auch nicht; kommt es ihnen doch nur auf eine
dundgebung mehr an!
Ausland.
Der spanische Kronpraͤtendent Don Carlos wurde aus Frank⸗
reich ausgewiesen. Die Ausweisung erfolgte, weil sich derselbe
xi einer legitimistischen Demonstration gegen die Republik betheiligte.
In London fand am 18. ds. eine öffentliche Versamm⸗
ung des dort geheim tagenden revolutionären Congresses statt.
voran Vertreter aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien,
Nesterreich, der Schweiz und Amerika theilnahmen. Die deutsch—
merikanischen Socialisten hielten hestige Reden. Die Versamm—
ung saßte Resolutionen, worin gegen die Verurtheilung Most's
rotestirt wird.
Aus Rußland kommt die Meldung, daß der Kriegsminister
zie an der deutschen und österreichischen Grenze begonnenen Fest-
ingsbauten, allerdings zunächst; aus Ersparnißgründen, habe ein—
tellen lassen. Jedenfalls von dem Manne recht vernünftig; denn
vir glanben wohl als bestimmt voraussetzen zu können, daß eben
so wenig Deutschland als Oesterreich-Ungarn Rußland jemals mit
Zrieg zu überziehen gedenken, um so weniger als die Bestrebungen
der drei Kaiser unzweifelhaft auf Erhaltung des Friedens gerichtet
iein müssen. Deutschland und Oesterreich haben den Frieden außer—
yedentlich nothwendig, und Rußland, nun das mag vor Allem mit
einen Nihilisten aus höheren und höchsten Kreisen fertig zu
verden suchen.
Ein amtlich bekannt gemachtes Rundschreiben des russischen
Domänenministers ordnet behufs Hebung der Bauernwirthschaft in
Rußland an, daß die bisher gebräuchliche Verpachtung der
drongüter an Capitalisten durch eine Verpachtung an die Bauern⸗
gzemeinden zu ersetzen sei.
Aus Sfax wird gemeldet, daß der Verlust der Eingeborenen
hei der Einnahme der Stadt 400 Todte und 800 Verwundete
hetragen habe. Unier der Bevölkerung im Süden von Tunis
herrscht noch immer große Gährung.
ser—Htes.
* St. Ingbert, 21. Juli. Das vorgestern Abend im
Dberhausee r'schen Garten von der Kapelle des Schlesw.Holst.
Dragonerregiments Nr. 13 veranstaltete Conzert hatte sich eines
ziemlich zahlreichen Besuches zu erfreuen. Das umfangreiche Pro⸗
gramm war mit vielem Geschmack gewählt und wurden die Leist-
ungen der Kapelle sehr 'beifällig aufgenommen. Von hier rückte
dieselbe wieder in ihre Garnison, St. Avoil d, ein. — Gestern
raten sieben junge Leute von hier, fünf davon Schmelzarbeiter,
die Reise nach Nord⸗ Amerika an. »Ob sie in der ueuen Welt
finden, was sie suchen, — wer weiß es.
*) Endlich vermögen wir wieder, befreit von der afrikani—
schen Hitze der letzten Tage, frischer aufzuathmen. Ein von Westen
jer kommendes Gewitter brachte uns gestern Abend den ersehnten
Regen. In noch ausgiebigerem Maße brachte uns diese Wohlthat
ein zweites Gewitter, das heute Morgen geger drei Uhr über die
Stadt hinzog. Und heute hat sich ein Landregen eingestellt, der
allen Wünschen der Landwirthe nach diesem in letzter Zeit so bitter
vermißten Naß, in vollem Maße gerecht zu werden, verspricht.
* St. Ingbert. Dem Antrage des Presbyteriums ent—
prechend wurde die erledigte protestantische Pfarrstelle da h i er
herrn Pfarrer Ferkel in Trippstadt verliehen.
Die „K. Z.“ berichtet aus Kaiserslautern: Einem
hiesigen Ehemanne, der noch kein Jahr verheirathet, ist seine Gattin
heimlich entwichen. Dieselbe nahm Werthpapiere im Betrage von
a. 10,000 Mark mit sich. Der Ehegatte hat die nöthigen Schritte
zur Entwerthung der mitgenommenen Papiere eingeleitet.
F Auch die Neustadter bekommen jetzt ihren Extrazug
zum Besuch der Frankfurter Ausstellung. Derselbe wird am 24.
Juli Morgens von Neustadt über Grünstadt nach Frankfurt ab⸗
gehen und Abends gegen 10 Uhr wieder in Neustadt eintreffen.
7 In Elmstein will man die Larven des gefürchteten
Coloradokäfers gefunden haben; einzelne Exemplare derselben wur—
den der „B.⸗Z.“ zufolge dem k. Bezirksamte Neustadt zugesandt.
F Die Pfälzischen Bahnen haben den nach Mün—
hen reisenden Schützen zum Schützenfest 30 Procent Fahrtarer—
mäßigung bewilligt. Sammelplatz für die pfälzischen Schützen ist
GBermersheim. Abfahrt am 23. Juli.
— Der Ackerer Stier aus Gundersweiler, welcher
por Kurzem des Nachts auf seinen Sohn und dessen Frau, während
dieselben schliefen, einen Mordversuch machte, hat in Kaiserslautern,
illwo er sich in Untersuchungshaft befand, seinem Leben durch
Erhängen ein Ende gemacht.
F In der Nähe der Frankenthaler Zuckerfabrik wurde
am Sonntag ein Fabrikarbeiter durch einen Revolverschuß den ein
Commis auf ihn abfeuerte, so schwer verletzt, daß er am nächsten
Tage starb. Die „Fr. Z.“ gibt als Motiv Eifersucht an, während
im „Kur.“ mitgetheilt wird, daß der Thäter aus Nothwehr von
einer Waffe; Gebrauch gemacht haben soll.
Der Direktor an der k. Regierung der Pfalz Kammer des
Innern, Herr v. Lamotte, wurde in den erbetenen Ruhestand
mit Verleihung des Titels „Vicepräsident“ versetzt und zum Re—⸗