Full text: St. Ingberter Anzeiger

St. Ingberler Anzeiger. 
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Der „St. Jurgbert er An zerg er⸗mit seinem Unterhalturigsblatte erscheint wöchentlich dreimal: Dienztag, Donners tkag 
und Samst'ag. Abonnementspreis vierteljährig 45 Krzr. oder 18 Silbergr. Anzeigen werden mit 8 Krzr. die dreispaltige Zeile 
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Nro. 91. 3* D »Ein Samstag, den J. Aumust — 1868 
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1 Deutschlandi 
Munchen“ 28. Juli. Der Soialgesetzgebuugsausschuß 
— — 
worden. .63, 
Munchen, 28. gJuh. Heute Morgens7 Ahr verließ, 
nach einer in der alken Residenzkapelle durch den Hof ⸗ und Stifts- 
grobst von Dollinner geleseuen Seelenmesse, unter dem Gelaͤute al⸗ 
ler Glocken die, Hofkommission, welcher die Ueberführung des Her— 
jeg des Hönigs Ludwig J. nach Altötling obliegt, unsere Stadt. 
— Herzog Karl Theodor in Bayern hat sich mit der Priu⸗ 
zessin Margaretha von Orleang, Tochter des Herzogs von Ne— 
mours vexlobt. Die Hochzeit findet gleichzeitig mit jener des Duc 
yAlençon, mit der Herzogin Sophie von. Bahern im September 
iu Pposenhosen ftatt 
Muünchem, 29. Juli. Die baherische Staatsregieruug weist 
den Borwurf der Beschränkung staatsbürgerlicher Rechte durch die 
Zualificalion des politischen Verhaltens der Geistlichen in der 
Correspondenz Hoffmann“ zurück. Der Mißbräuch staatsbürger⸗ 
icher Freiheit durch Entstellung und Herabwürdigung von Hand— 
ungen der Regierung konne jedoch im Interesse der staattichen 
Ordnung bei den Bewerbern um Pfründe, des landesherrlichen 
Pationates nicht geduldet werden. J 
Muünchen, 30. Juli. Die Gensdarmerie wird vom J. 
September d. J. neu organisirt werden und zwar wird sie be— 
reffs ihrer Dienstleistungen den Civilbehörden, in disciplinärer 
Beziehung jedoch dem Kriegsminsterium untergeordnet sein.Sie 
wird nicht beritten sein und sollen Brigadiers und Oberbri— 
zadiers bei Besetzung von Offizierstellen berücksichtigt werden. Dem 
vürttembergischen Kriegsminster wurde das Großkreuz, dem Gene— 
ralstabschef Suckow das Großcointhurkreuz des Ordens vom hl. 
Michael verlieben. —W 
Dienstesnachrichten. 3 
VVVVVV,— 
Se. Maj. der Köͤnig häben. sich bewogen gefunden, die bei— 
dem Appellationsgerichte der Pfalz erledigte Advocatenstelle dem 
Advocat · Anwalt am Bezirksgerichte Zweibrücken, Gustav Gulden, 
einem Anfuchen gemüß zu verleihen, an dessen Stelle den Bezirks 
gerichls: Assessor Julius Petersen in Frankenthal, seinem Ansuchen 
entsprechend, zum Advocaten am Bezirksgerichte Zweibrücken zu 
rnennen, den Landgerichtsassessor Julius Schmolze in Zweibrücken 
um Staatsprocuratorsubstituten bei dem Bezirksgerichte Franken⸗ 
hal auf Ausuchen zu befördern; den Lamdgerichtsossessor Emil 
Bixis in Neustadt seinem Ansuchen gemäß zum Bezirksgerichts- 
assessor in Frankenthal und den Landgerichtsassessor Karl Ostheider 
nn Germersheim, seinem allerunterthänigsten Ansuchen um Verleih— 
ing einer Bezirksgerichtsassessorstelle entsprechend, zum Bezirksge— 
richtsassessor in Zweibrücken zu ernennen; den funktionirenden 
Staatsprocuratorsubstituten Jakob Keller in Frankenthal zum Land— 
zerichts-Assessor in Germersheim zu befördern, deu Landgerichts⸗ 
issesssr Eugen Lellbach in, Durkheim auf sein Ansuchen in 
zleicher Dienstesrigenschaft nach Zweibrücken zu versetzen, auf die 
ziedurch sich erledigende Stelle eines Landgerichtsasseffors in Dürk— 
seim den bisher als Hilfsarbeiter des Generalstaatsprocurators am 
Apellationsgerichte der Pfalz verwendeten Substituten, MAdolph 
daas in Zweibrücken, zu befördern; dem Landgerichte Ludwigs 
afen einen Assessor außer dem Status beizugeben und auf diese 
Stelle den functionirenden Staatsprocuratorfubstituten August 
kckhard in Kasserslautern. seinem Ansuchen entsprechend, zu 
rnennen. .. 
Unterm 18. Juli l. J. wurde der Gerichtsbote Philipp 
Walltz von' Winnweiler, seinem Ansuchen entsprechend, nach Wald- 
ischbach versetzt. J 
Wisen, 28. Juli. Die „Neue Fr. Presse beleuchtet gelegent⸗ 
ich eines Festberichtes den Stondpunkt, welchen die Presse gegen⸗ 
iber dem großen Nationalfest einnimmt, mit folgenden Worsen: 
„Die ganze Presse Deutsch-Oesterreichs ist voll Befriedigung. Nur 
Valterland und „Volksfreund“ schmähen die „unheilige“ Versamm— 
lung der deulschen Schützen und sind erbost Uber den Minister, 
der so frei war, auf dem Festplatze mit Pathos und Schwung 
die Sache der Freiheit zu feiern. Unter den nichtdeutschen Orga— 
gen Oesterreichs äußern sich zumal die ungarischen sympathisch für 
inser Fest, wäͤhrend die Czechen in ihrer Bosheit die Erfindungs— 
sabe so sehr im Stich läßt, daß sie siih vorerzihlen, die Wiener 
ätten die deutschen Schützen zum Feste gedungen! Characteristisch 
t, daß das energischste unter den Bismarck'schen Blättern, die Weser⸗ 
Zeitung.“ Neugier und Durst als die einzigen Hebel des Festes 
relten lassen will. Was sagen unsere Bremer Gäste dazu? Frei— 
ich läßt sich das die „Weser-Zeitung“ aus Wien von Jemandem 
chreiben, der zwar aus „Staatsmitteln“ besoldet wird, aber eben 
»in Czeche iscc.. * I 
Wien, 29. Juli. Beiin heutigen“ Schutzenbanketldrückte 
duranda die Hoffaung auf die Wiedervereinigung Oesterreichs mit 
Deutschland aus und brachte ein Hoch auf das gesammte deutsche 
Baterland. Hedinger aus Schwy; bezeichnete die Schützenfeste als 
die Rütlis der Gegenwart, aus denen die Freiheit füt Deutschland 
erstehen werde. Hechenpleikner aus Tyrol brachte. ein Hoch auf 
die neue Aera und das lieberale Ministe rinum in Sester 
cich aus. 3 9 
„Waen, 30. Juli. Heute wurden die Versammlungen des 
Besammtausschusses des deutschen Schützenbundes eröffnet. Es 
varen achtzig Mitglieder anwesend. Justizrath Sterzing aus 
Hotha wurde mit Acclamation zum Vorsitzenden gewählt; derselbe 
zankt und Lerklärt, das Ziel des Schützenbundes sei dessen Ein— 
virkung auf die Geschicke des deutschen Volkes, die er auch wirk⸗ 
lich ausübe. Der Shützenbund verktrete die Zusammen gehörigkeit 
aller deutschen Stämme. 
—Wien, 31. Juli. Der Kaiser, vom stürmischen Hoch bhe— 
zrüßt, traf gestern Nachmittag auf dem Schützenplatz ein, befuchte 
ämmlliche Localitäten und trank in der Festhalle auf das Wohl 
aller Schützen. n 
FFrankreich. 
Paris, 23. Juli. Die Anstalten zum nächsten Napoleons- 
eeste werden betreits getroffen. Das herkommliche Feuerwerl, um 
zas die Franzosen sich nicht leicht bringen lassen, wird schon vor⸗ 
Hereitet und soll diesmal die Bedeutung eines politischen Program⸗ 
nes bekommen, gegen dessen Verwitklichung wir am wenigsten ein⸗ 
uwenden hätten. Der Tempelhdes Friedens und die 
ßöttinder Freiheit, also eine pyrotechnische Illustrirung 
»es Briefes vom 19. Januar, soll die Pariser am Feste dez 
daisers erfreuen. Wir hossen die Zusagen des 19 Januar und 
usbesondere die Friedensverheißung wird nicht so ephemer sein 
ils das an uns vorüberziehende, in allen Farben erglaͤnzende Bild 
ius der Werkstätte des Hrn. Ruggieri. Reben den— Ordensver⸗ 
eihmigen, deren Zahl' keine geringere sein wird als im 
vorigen Jahre, sollen auch einige Sengaitarnenn unqen 
tattfinden. 
Bis jetzt hat der „Constitutionnel“ eine sehr günstige Mei— 
iung von dem Verlauf. des großen Wiener Schützenfestes. Herr 
ẽ*d. Simon schreibt hierüber in dem Tagesbericht Folgendes:: 
„Indem die verschiedenen Redner freimüthig ihre Sympathieen 
ür Oesterreich an den Tag legten, vermieden sie Alles, was die 
reußischen Gäste hätte verletzen können, und bis jetzt wenigstens 
„jat noch nicht der geringste Mißklang das Fest gestört, 
»äs ein wirklich moralischer Sieg des neugeborenen Oefter— 
eichs ist.“ 
Der „Figaro“ bringt die Nachricht, daß fünfzig Beamte des 
triegsministeriums gestern nach den östlichen Departements ab⸗ 
zeschickt worden sind, um genaͤue Erkundigungen über die dort 
vorhandenen, zum Uunterhalt einer Armee nöthigen Vorräthe 
inzuziehen. 
Wie die „France“ meldet, ist der Tarif der Telegramme des 
ransatlantischen Kabels wiederum bedeutend herabgesetzt worden, 
o daß eine einfache Depesche zwischen Valentia und Amerika nus 
ioch drei Pfund Sterling kostet.