Full text: St. Ingberter Anzeiger

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Amtliches Organ des königl. Amlsgerichts St. Ingbert. 
Der Et Jugberter Irzeiger erscheint täglich mit Auznahme der Sonn⸗ und Feiertage. 2 mal wöchentlich mit Unterhaltungs⸗Blatt und Mittwochs und Samstags mit 
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10. 
Politische Uebersicht. 
* Der bisherige päpstliche Nuntius in 
München, Monsignore Ruffo Scilla, wird, wie 
die „Pol. Corr.“ erfährt, nach einigen Monaten 
auf seinen Münchener Posten zurückkehren. Frühere 
Meldungen ließen diese Erwartung nicht zu. 
* Der Verteidiger Geffcken's, Herr 
Dr. Albert Wolfsohn in Hamburg, veröffentlicht 
im „Hamb. Korr.“ einen Ärtikel ‚Zum Verständ- 
niß des Beschlusses des Reichsgerichts in der An⸗ 
legenheit Geffcken“ und kommt darin zu folgendem 
Ergebniß: „Von einer Niederlage des Reichskanz- 
lers würde man selbst dann nicht sprechen können, 
wenn das Gericht das Vorhandensein des obj ctiven 
Thatbestandes verneint hätte; denn solchenfalls 
wüurde nur festgestellt sein, daß die Anschauungen 
der Diplomatie über die Staatsgefährlichkeit einer 
Veröffentlichung sich mit denen der Juris prudenz 
nicht decken und daß der Staatsmann an der Ge⸗ 
heimhaltung einer Nachricht ein Interesse haben 
kann, dessen Berechtigung das Gericht vom Stand⸗ 
punkte der Rechtsprechung aus nicht anzuerkennen 
vermag. Sicherlich aber kann man nicht von einer 
Niederlage des Reichskanzlers reden, wenn man er⸗ 
wägt, daß das Reichsgericht der Ueberzeugung des 
Kanzlers, es liege objcctiv Landesverrat vor, so⸗ 
weit Rechuung getragen hat, daß es das Vorhan⸗ 
densein eines Verdachts in dieser Beziehung zuge⸗ 
geben, demnach aus diesem Grunde die Eroͤffnung 
des Hauptverfahrens nicht abgelehnt haben würde. 
und wenn man ferner in Betracht zieht, daß der 
Reichskanzler — dem ja zu der Zeit, als er die 
Verfolgung veranlaßte, der Urheber der Publikation 
unbekannt war — sich selbstverständiich nur mit 
dem objectiven und nicht mit dem subjectiven Mo— 
ment beschäftigen konnte. Von einer matericllen 
Verurteilung Geffcken's kann nicht die Rede sein, 
da das Reichsgericht das Vorhandensein des objec⸗ 
tiven Thatbestandes nicht bejaht und das Vorliegen 
des subjectiven Moments — ohne dessen Vorhan⸗ 
densein ein Verbrechen überhaupt nicht denkbar ist 
— in bestimmtester Weise verneint hat. Der In— 
halt des reichsgerichtlichen Urteils gibt daher keiner 
Partei die Berechtigung, den gerichtlichen Beschluß 
zu ihren Gunsten zu verwerten.“ 
* Allen Anzeichen zufolge wird König Wil— 
helm III von Holland seine geliebte Resi— 
denz Haag nicht mehr wiedersehen. Seine Schwäche 
ist aufs äͤußerste gestiegen und mehr getragen ais 
gehend verläßt derselbe sein Schlafgemach, wenn 
dasselbe gelüftet und aufs Neue bereitet wird. Das 
Schloß „Het Loo“, in dem der kranke Monarch 
weilt, ist beständig ven Neugierigen umlagert, welche 
fich über das Besinden des Königs erkundigen woi- 
len. Es ist in der That die Regierung desselben 
schon beendet und in die Hände der Königin über— 
gegangen, welche, obgleich deutschen Ursprungs, eine 
echte Holländerin geworden zu sein scheint. Vor 
dem Abschluß eines langen, der Arbeit gewidmeten 
Lebens hat Wilhelm III. im Bewußtsein seineß 
Zustandes längst die Vorkehrungen getroffen, welche 
seinen Todesfal vorhersehen. der durch ein Gesetz 
bom 14. September vorigen Jchres einberufene 
Vormundschaftsrath ist seil Kurzem in Thätigkeit 
getrtten. Der königlichen Mutter sind eine Reihe 
verdienter Männer zur Seite gestellt. 
* Nach englischen über London aus Cap⸗ 
stadt eingetrofsenen Berichten hat der deutsche 
Reichskommissar Dr. Göring nach Einsichtnahme 
der seitens Kamahereros mit dem Engländer Lewis 
Samstag, 12. Januar 1889. 
geschlossenen Verträge anerkannt, daß er keine Rechte 
n Damaraland habe. 
*Die „Kieler Zeitung, nennt als auf Apia 
zefallene Marinemannschaften: die Ober⸗ 
natrosen Taetrow, Päisch, Tietz, Peters, Robert 
S„chultz, die Matrosen Bottin, Witt, Rithammel, 
dedweik, Hildebrandt, Herzfeld, Franz Herfurth, 
Zummermannsgast Goos, sämmtlich von Sr. Maje- 
tät Schiff „Olga“; Matrose Zitzke vom Kanonen ⸗ 
oot „Eber“. Die inzwischen eingetroffenen ge- 
aueren Nachrichten ergeben Folgendes: 
„Am 18. Dezember begab sich das Deuische 
danonenboot „Adler mit dem Deutschen Konsul 
in Bord nach Lanly, woselbst Mataafas Haupt⸗ 
tellung sich befindet, um Unterhandlungen in Be— 
reff der Entwaffnung seiner Truppen anzuknüpfen. 
Un demselben Tage landete die Korbette „Olga“ 
20 Mann in Vailie. Sofort nach der Landung 
vurder die Truppen von den Anhängern Mataafas 
ingegriffen, worauf sich die Deutschen kämpfend 
rach der Station in Vailie zurückzogen. Auch 
sier angegriffen, behaupteten unsere Truppen ihre 
5tellung gegen den numerisch weit überlegenen 
Feind. Zu ihrer Hilfe landete auch der „Adler“ 
ine Anzahl Mannschaften. Nun griffen unsere 
Seesoldaten mit kräftiger Offenside die Samoaner 
an und trieben sie zurück. Als die Truppen sich 
vieder eingeschifft hatten, eröffaeten die Deutschen 
Schiffe ein Bombardement auf die Dörfer Vailie, 
detoga, Lanld, Matafage und Matafao und zer— 
förten diese. Das stark verschanzte Hauptquartier 
Mataafas bofindet sich jetzt unweit Apia. Es steht 
fest, daß er von Amerika eine starke Zufuhr von 
Munition erhielt.“ 
Das nationalliberale Organ glaubt erklären 
zu dürfen, daß in kürzester Frist die Deutsche 
Schutzherrschaft über die Samoa⸗Inseln 
uusgesprochen werden wird. 
Deutsches Reich. 
Straßburg, 10. Jan. Der Kaiser er⸗ 
nächtigte den Statthalter, den Gesetzentwurf, be⸗ 
reffend die Erbschaftssteuer, dem Präsidium 
des Bundesraths vorzulegen, damit derselbe im 
Bundesrath berathen werde. — Das hiesige Land- 
jericht verurtheilte den seitherigen städtischen Octroi⸗ 
innehmer Holterbach, der 1871 aus dem 
ranzösischen Dienst übernommen wurde, wegen 
Majestätsbeleidigung zu drei Monaten Gefängniß. 
Darmstadt, 11. Jan. Die haldamtliche 
Darmstädter Zeitung tritt der Meldung der Ber— 
iner „Post“ entgegen, nach welcher die Beziseh— 
ungen des Großherzogs von Hessen zum 
»eutschen Kaiserhause getrübt gewesen 
eien. Dasselbe Blatt erklärt auch die Nachricht 
don einer beabsichtigten Verlobung der Prinzessin 
Alice mit dem Großfürsten-Thronfolger von Ruß⸗ 
land für falsch. 
Berlin, 10. Jan. Die Anwerbung einer 
Tolonialtruphpe, velche in Ostafrika Verwen- 
zung finden dürfte, soll in Westafrika vorgenommen 
perden. Die Mannschaften würden' in ungefähr 
3 Wochen über Capstadt nach der Ostküste gebracht 
ein, so daß sie bald nach der Ankunft Wißmann's 
in der Küste von Sansibar eintreffen würden. Zur 
kinübung und Befehligung der Mannschaften sollen 
Wißmann 25 bis 30 Ojfiziere und Unteroffiziere 
nach Afrika begleiten. 
Berlin, 11. Jan. Fürst Bismarck, 
essen Gesundheitszustand erfrrulich rweise nichts zu 
vünschen übrig läßt, nimmt die Geschäfte in vollem 
Umfang auf. Er hat heute bereits mehrere Mit⸗ 
— 
2. Jahrg. 
zlieder des preußischen Staatsministeriums und die 
Reichsbehörden empfangen. — Bezüglich des Wett- 
»ewerbs für ein National denkmal Kaiser 
Wilhelms JL. liegt es in der Absicht, den Weg 
einzuschlagen, der seiner Zeit in Rom bei dem 
Denkmal für König Vickor Emanuel sich besonders 
»ewährt hat. Demnach soll zuerst eine allgemeine 
zildliche Darstellung und dann erst die Lieferung 
eines Mod⸗lls verlangt werden. 
Berlin, 11. Jan. Der einzige Sohn des 
Prinzen Friedrich Karl, Prinz Frisedrich Leo⸗ 
ohd, der zur Zeit als Ritimeister und Schwa⸗ 
)ronschef im Gardes du⸗Corps Regiment in Pots⸗ 
dam Dienst thut, hat sich mit der zur Zeit hier- 
selbst bei den kaiseriichen Majestäten zum Besuch 
weilenden zweite Schwester der Kaiserin, Prinzesfin 
duise Sophie von Schleswig Holstein⸗Sonder⸗ 
ourg-Augustenburg verlobt. 
Ausland. 
Brüfsel, 10. Jan. Allgemeines Aufsehen 
erregt eine von König Leopold verfaßte 
Broschüre, welche die Schaffung einer belgischen 
Marine, den persönlichen Heeresdienst, Vermehrung 
des Truppen-Contingents und die Uebernahme des 
Tongostaates als belgische Colonie befücwortet. 
Pest, 10. Jan. Der ungarische Cultus⸗ 
minister Graf Csakhy hielt heute im ungarischen 
Abgeordnetenhause gelegentlich des Wehrgesetzes seine 
Jungfernrede und erregtegroße Sensation durch 
folgende Aeußerung: „Meine Ueberzeugung ist, 
daß der Ungar ein um so besserer Ungar ist, je 
mehr deutsch er weiß; man erweist Ungarn einen 
schlechten Dienst, wenn man nicht deutsch lernt. 
Die deutsche Cultur steht uns am nächsten. Die 
Dpposition widersprach so lebhaft, daß der Minister 
lange nicht weiter reden konnte. Graf Csaky schloß 
mit der Bemerkung, in unserer Zeit habe die Ver⸗ 
folgung und die Farcht vor der deutschen Spiache 
keinen Sinn. 
VPetersburg, 11. Jan. Der Kölnischen 
Zeitung wird von hier gemeldet: Der Fall 
NRorier drängt hier alle anderen Interessen 
in den Hintergrund und beschaäftigt seit geraum r 
Zeit die russische Presse und Gesellschaft fast aus- 
chließlich. Wie sich das bei der bekanaten deutsch⸗ 
feindlichen Summung hiesiger Kreise voraussehen 
ieß, iverenigen sich auf Sir R. Morier, den er⸗ 
klärten Liebling der Deutschfreisinnigen, die allge— 
neinen Sympathieen der Russen, besonders der 
Zanslavisten. Selbst wenn die Kölnische Zeitang 
hre Behauptung noch viel unanfechtbarer sicherge⸗ 
tellt hätte, als sie es durch einwandfreie Zeugen⸗ 
russagen thatsachlich gethan hat, so würde sich hier 
»och alles, was deutsch-feindlich ist, erst recht für 
Zir. R. Morier erklären. Einige russische Zeit⸗ 
ingen ergehen sich fortwährend in den schärfsten 
Aagriff· nmgegen den Fürsten Bismarck. Die „No⸗ 
voje Wremja“ verhält sich ziemlich unpacteitsch, 
pricht aber in sehr verächtlichem Tone. Immerhin 
st aber hier das Gerücht verbreitet, Sir R. Morier 
elbst glaube nicht meht an eine lange Dauer 
einer hiesigen Stellung. 
Lokale und pfälzische Nachrichten. 
* St. Ingbert, 12. Jan. Gestern Nach- 
nittag 3 Uhr ist der Direktor des Eisenwerkes der 
Herren Gebr. Krämer, Herr Franz Tafel nach 
angem schweren Leiden verschieden. Erst seit drei 
Jahren in seiner hiefigen Stellung thätig, hatte er 
ich als int sligenten Leiter, als gerechten u. wohl⸗ 
bollenden Vorgesetzten gezeigt. Als ein kenntniß⸗